Mittwoch, 25. Juni 2008

April

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1.April
1782: Gründung des ersten städtischen Postamtes Sandersleben
1820: Lehrer Krahnert beginnt die Schulchronik von Vatterode
1831: Erstmals erscheint das Hettstedter Wochenblatt
1867: Hergisdorf erhält zweites Schulgebäude
1894: Aus Wormsleben wird berichtet: „Der heutige Tag war ein festlicher für unsere Gemeinde: Die neu erbaute Schule wurde feierlich eingeweiht. Nach dem Gottesdienste, der um 2 Uhr seinen Anfang nahm und in dem der Ortspfarrer Fricke den für die Gemeinde bestellten Lehrer Barmann in sein Amt einführte, versammelte sich die Gemeinde vor der Kirche und begab sich im festlichen Zuge nach der Schule. Voran schritten die Kinder mit Gesang unter Führung des Lehrers, es folgten der Orts-, Kirchen -und Schulvorstand und die sich beteiligenden Gemeindeglieder..."
Wieviel Schüler in den Neubau Einzug hielten, geht aus der Chronik nicht hervor. Dafür wird mitgeteilt, wann welches Lied gesungen wurde.
Am selben Tag zeigt der Kaufmann G. Rosenthal in Eisleben an, dass er sein Herren- und Knabenkonfektionsgeschäft vom Plan 2 in sein Haus Plan 8 verlegt habe.
1897: Postkutsche Eisleben-Hettstedt rollt zum letzten Mal
1901: Siersleber Schule erhält Anbau,zwei neue Klassenräume
1914 Am 1. April 1914 eröffnete Wilhelm John (1892 bis 1967) in Zerbst .sein „Spezial-lnstitut für Augengläser". 1921 verlegte er sein Geschäft nach Eisleben - auf Anregung des befreundeten Augenarztes Dr. Mücke. Dieser war ebenfalls von Zerbst in die Lutherstadt gezogen, weil der aufstrebende Bergbau im Mansfelder Land bessere Geschäfte versprach. Zunächst war der Augenoptiker John am Jüdenhof ansässig - dort, wo sich heute ein Obst- und Gemüseladen befindet. Bereits kurze Zeit später siedelte sich John in dem Haus am Markt 38 an, wo das Geschäft bis heute seinen Sitz hat. Nach dem Gründer führte sein Sohn Heinz John den Betrieb weiter. Dessen Sohn allerdings wurde Arzt, so dass Ende der 80er Jahre ein Nachfolger für John Optik" gesucht wurde. 1990 übernahmen Eberhard Reizig, der Neffe von Heinz John, und seine Frau Dorothea das Geschäft. Er hatte ursprünglich Augenoptiker gelernt, dann aber Pädagogik studiert und als Mathematik-Physik-Lehrer gearbeitet. Seine Frau ist von Beruf Krankenschwester. Ihre Tochter Beate Reizig hat nach einer Augenoptiker-Lehre im Familienbetrieb an der Fachhochschule Jena Augenoptik studiert. Nach dem Diplom (FH) hat sie noch einen Masterstudiengang Lasertechnik und Optoelektronik absolviert.
1936: Wegen Verletzung des Briefgeheimnisses musste ein Knecht 10RM Strafe zahlen (oder 5 Tage Arrest absitzen). Außerdem trug er die Kosten des Verfahrens. Er hatte einen Brief mit den Untersuchungsergebnissen des Kassenarztes geöffnet und gelesen.
1992: Das Landratsamt führt Kontrollmarken für die Müllentsorgung ein.

2.April:
1900: Tragödie im Hettstedter Rathaus. Bürgermeister Jahr, der erst vor kurzem auf Lebenszeit wiedergewählt worden war, verübt in seinem Amtszimmer Selbstmord, der 69-Jährige erschießt sich mit einer Jagdflinte. In der Chronik heißt es dazu, dass die Tat für jedermann eine „furchtbare Überraschung" war. In einem Nachruf ist von einer Krankheit die Rede, an der der Bürgermeister schon seit einigen Jahren litt.
Jahr wurde am 24. November 1831 geboren und am I.April 1864 als Bürgermeister in sein Amt eingeführt. „Anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläum im Jahr 1889 wurde er von Sr. Majestät dem König mit dem Kronenorden IV. Klasse ausgezeichnet", so die Hettstedter Zeitung.
1914: Gründung des „Schwimm-Vereins Eisleben" in der „Terras­se", heute Landesbühne Sach­sen-Anhalt. Der Chronist notiert: „In der von zahlreichen Wasser­sportfreunden besuchten Ver­sammlung unter Leitung des ehe­maligen Kreisschwimmwartes 8 (Thüringen), Erich Gueinzius, er­klärten sofort 26 Herren ihren Beitritt.
Zweck und Ziele des Vereins, der sofort dem Deutschen Schwimm­verbande beitritt, sind vor allem: Vervollkommnung im Schwim­men, Springen und Tauchen; An­weisung zur Rettung Ertrinkender und zu Wiederbelebungsversu­chen Ertrunkener; Veranstaltung von Schwimmfahrten, Schwimm­festen und Wettschwimmen. Der Verein bietet seinen Mitglie­dern gegen mäßigen Beitrag ganz bedeutende Vorteile, unter an­derem die freie Benutzung des im letzten Jahre bedeutend ver­größerten Germaniabades, ferner tritt für seine Mitglieder eine we­sentliche Vergünstigung beim Er­lernen des Schwimmens ein..."
1928: Mit dem Milchhof Eisleben in der Halleschen Straße nimmt einer der modernsten Molkerei­betriebe Deutschlands den Be­trieb auf. Die Tageskapazität be­trägt 30.000 Liter Milch, die Ma­schinen stammen aus den Bergedorfer Eisenwerken. Der neue Betrieb entstand durch den Um­bau des alten Polandschen Sägewerkes nach Plänen der Archi­tekten Wäscher und Fobbe. Am selben Tag übernimmt der 39 Jahre alte Regierungsrat Kurt Otto kommissarisch die Leitung des Finanzamtes Eisleben, die ihm einen Monat später offiziell über­tragen wird. Nach Machtantritt der Nazis 1933 geht es mit ihm weiter bergauf, er wird Landes­hauptmann in Halle und Nachfol­ger des entlassenen Erhard Hübener (Staatspartei), der dann 1945 nach Untergang des Nazi­reiches zum ersten Ministerprä­sidenten Sachsen-Anhalts ge­wählt wird.

3. April:
1914:Aus Hergisdorf wird nach einem Unfall an der Haltestelle der Elektrischen Kleinbahn berichtet: „Der 13-jährige Sohn des Herrn Dr. Czech- Helbra, welcher sich auf der Fahrt zur Schule nach Eisleben befand, geriet mit den Füßen in das Bremsgestell des Wagens, wobei der eine Fuß gebrochen wurde. Dieser bedauerliche Unfall soll sich laut Augenzeugen wie folgt zugetragen haben: Mit dem Zeichen zur Abfahrt wurde auch vom Hinterperron das Glockenzeichen gegeben, worauf der Wagen abfuhr. Kaum hatte er sich in Bewegung gesetzt, wurde der Wagenführer zum Anhalten veranlaßt, weil ein Schüler mitgeschleift wurde. Der Führer hielt sofort an. Der Schüler lag mit dem Oberkörper neben dem Wagen, während die Füße am Bremsgestell festgeklemmt waren, aber ohne große Mühe befreit werden konnte. Auf die Frage, wie der Unfall entstanden sei, habe er geantwortet, daß er allein die Schuld trage. Weitere Zeugen bekundeten, daß der Schüler selbst das Abfahrtssignal gegeben habe..."
1918: Verhandlungen in der Ortskohlenstelle Eisleben zur Kohlen­versorgung unter Vorsitz von Bergwerksdirektor Weißleder. An­schließend wurde laut Chronik mitgeteilt, „daß der Reichskom­missar der Stadt Eisleben für die fünf Sommermonate vom I.Mai bis 30. September nur 5000 Ton­nen = 100.000 Zentner Kohlen zugeteilt hat. Das sind 15.000 Zentner weniger als man erwartet hatte. Die Aussichten der Kohlen­versorgung bessern sich also kei­neswegs, und es muß schon jetzt damit gerechnet werden, daß sich die Haushalte im kommenden Winter noch mehr werden ein­schränken müssen als in dem glücklich überstandenen." Am selben Tag findet im „Mansfelder Hof" die zweite Versamm­lung der Ortsgruppe Eisleben der „binnen kurzer Zeit so mächtig aufgeblühten Deutschen Vater­landspartei" statt. Vorsitzender: Knappschaftsdirektor Beling.

4.April
1615: Graf Bruno von Mansfeld der Ältere vom Vorderort, Bornstedter Linie, in Eisleben in seinem Haus Markt 56, heute Hotel „Graf von Mansfeld", gestorben. Er wurde am 8. Mai in der Andreaskirche unter dem Altarraum beigesetzt und danach über dem Eingang zur Gruft eine prachtvolle Tumba aufgestellt Bruno wurde am 17. November 1545 geboren. Er ließ 1588 auf dem Roten Berg bei Wolferode einen Galgen errichten, wie Rudolf Röhrborn in seiner Geschichte von Wolferode schreibt. Brunos Vater Philipp I. von Mansfeld-Vorderort war Begründer der Bornstedter Linie des Grafenhauses. Bruno gilt als der letzte Graf, der ständig auf der Burg Bornstedt wohnte. Er hatte elf Kinder, von denen ihn acht überlebten.
1894: W. Windel zeigt "den geehrten Herren Schuhmachern in Eisleben und Umgebung" an, dass er in Eisleben, Hintere Siebenhitze 1, eine Schäftestepperei errichtet habe und jede Art Schäfte in allen Ledersorten "genau nach Maß" anfertige.Am selben Tag werben Honoratioren der Stadt wie Bürgermeister Adelbert Welcker, Obersteiger Zottmann oder der Kunst- und Handelsgärtner Emil Kaiser für die Teilnahme an einer "Männer-Versammlung" am 5. April
Wiesenhaus, wo der Generalsekretär der "Allgemeinen Conferenz der deutschen Sittlichkeitsvereine", Pastor Patzschke aus Berlin, über "Die Unsittlichkeit im Volksleben eine steigende Volksgefahr" sprechen werde.
"In der Überzeugung, daß es sich da um eine sehr ernste und hochwichtige Angelegenheit unseres ganzen Volkes handelt und daß auch wir verpflichtet sind, dazu Stellung zu nehmen, fordern wir unsere lieben Mitbürger auf, an dieser Versammlung teilzunehmen", heißt es in einem gemeinsamen Aufruf.
1913: Leimbach, 4. April. Gestern verunglückte der Häuer Gustav Kessing auf dem „Freienslebenschachte“ dadurch, dass er mit seinem Borloch in eine Rachel geriet, wo sich in der Schicht zuvor Dynamit versetzt hatte und nicht explodiert war. Er hatte vorsichtigerweise sein Bohrloch in einer gewissen Entfernung angesetzt,unglücklicher- weise war er wohl damit der Rachel zu nahe gekommen. Das Dynamit explodierte und verletzte ihn im Gesicht, wobei das Augenlicht schwer beschädigt wurde. Er wurde in das Hettstedter Krankenhaus überführt.
1914:Helbra: Der warme Sonnenschein der letzten Tage hat auf einen Schlag die ersten Obstblüten erscheinen lassen. In unseren Gärten stehen Pfirsich- und Aprikosenbäume im schönsten Blütenschmuck. An braunen Ästen hängen die weißen Blütenflecke noch ohne das belebende Grün. Als weitere Frühlingsboten haben sich die Schwalben eingestellt.
1918: Eislebens Chronist notiert: „In absehbarer Zeit werden wir von einer alteingewurzelten Ge­wohnheit Abschied nehmen müs­sen: das Dutzend, nachdem wir so lange und auf so vielen Gebie­ten zu rechnen gewohnt waren, wird es verschwinden und an sei­ne Stelle tritt das Zehnt. Das ist die Krönung des Ausbaus des me­trischen Systems, das sich bei den Maßen und Gewichten im deutschen Reich jetzt fast voll­kommen durchgesetzt hat." Am selben Tag wird in Helbra, Chausseestraße, vordem Brückmannschen Haus ein vierjähriger Junge von der Elektrischen Klein­bahn erfasst und ein Stück mit­geschleift. Er wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.
1989: Der Fachschuldozent Dr.Ing.Gerhard Boltz begeht an der Ingenieurschule Eisleben sein 40 jähriges Dienstjubiläum.Das Sportlerheim Ahlsdorf wird eröffnet.

5.April
1938:Aus Benndorf wird gemel­det, dass dort ein neuer Teich ent­standen sei. In der Chronik heißt es dazu: „An der Straße Helbra - Bahnhof Mansfeld (womit aber nur der Bahnhof Klostermansfeld gemeint sein kann - d. Red.) be­findet sich eine Tongrube, die vie­le Jahre hindurch Material für die Kochhütte lieferte. Nachdem ihr Reichtum erschöpft war, ruht der Betrieb seit fast zwei Jahren. So­fort machten sich die Grundwas­ser bemerkbar. Besonders in letz­ter Zeit sind sie so stark gestie­gen, daß die ungefähr 20 Meter tiefe Grube bis zum Rand angefüllt ist. Weit über einen Morgen Land bedeckt die neu entstandene Wasserfläche.Auch in der nicht weit davon ent­fernten Tongrube der Ziegelei Brunotte macht sich das Grundwas­ser unangenehm bemerkbar. In­folge Unterspülung ist der Verbin­dungsweg, der westlich der Stra­ße abzweigt und an ihrem Rande entlang führte, in die Tiefe ge­stürzt und mußte deshalb für jeg­lichen Verkehr gesperrt werden."
1992: Familiendrama in Eisleben.Ein Mann verletzt unter Alkoholeinfluß seinen 17jährigen Sohn mit einem Messer lebensgefährlich.Er wird zu 30 Monaten Haft verurteilt.
2014: Die Mitteldeutsche Zeitung informiert über die Vorbereitung der Kommunalwahlen im Mai 2014 im Landkreis Mansfeld-Südharz. 308 Bewerber aus fünf Parteien und sieben Wählergemeinschaften wollen in den Kreistag. Die NPD hat keine Wahlvorschläge eingereicht.

6. April
1631: Graf Friedrich Christoph von Mansfeld-Hinterort, Herr zu Heldrungen, Seeburg und Schraplau, im Alter von 67 Jahren gestorben, in der Annenkirche der Eisleber Neustadt wurde er beigesetzt. Der Graf hatte im Jahr 1611 Martin Rinckart zum Diakon der Annenkirche berufen. Friedrich Christoph, ein Enkel des Reformationsgrafen Albrecht IV., wurde am 4. Februar 1564 als Sohn von Johann l. und Margareta von Braunschweig-Lüneburg ge­boren. Mit Agnes von Eberstein hatte er vier Kinder. Der Regent der Herrschaft Hin­terort des Haus Mansfeld litt an Schwerhörigkeit und wurde des­halb „Surdus" genannt, der Tau­be. Er residierte zuletzt im Amt Hedersleben, das ihm nach Aus­sterben der mittelortischen Linie des Grafenhauses zugefallen war. Im 30-jährigen Krieg wurde er dort mehrmals ausgeplündert.
Am 6. April 1914 meldete das Eisleber Tageblatt aus den evangelischen Kirchengemeinden der Lutherstadt: „Eingesegnet wurden am gestrigen Palmsonntag in den vier evangelischen Kirchen unserer Stadt 256 Knaben und 237 Mädchen, und zwar in Sankt Andreas 69 Knaben (einschließlich 24 Schüler des Gymnasiums) und 51 Mädchen, in Sankt Petri-Pauli 59 Knaben (davon einer Judica) und 71 Mädchen,in Sankt Nikolai 54 Knaben(einschließlich 20Oberrealschüler) und 49 Mädchen und in Sankt Annen 74 Knaben und 66 Mädchen."
1914:Helbra: Gestern fand die Konfirmation der schulentlassenen Jugend statt. Die Kirchen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Mögen die Samenkörner, die der Geistliche ausstreute, besonders bei der Jugend edle Früchte tragen. Die Erziehung durch die Schule ist vorbei, die Grundlagen zum Fortkommen sind gelegt – und nun Glückauf fürs fernere Leben!
1938: Aus Siersleben wird gemel­det, dass „der Gesangverein Män­nerchor Siersleben" anlässlich seines zehnjährigen Bestehens im Gasthof „Zur Kugel" ein Kon­zert gegeben habe.Wir lesen: „Sämtliche vorgetragenen Lieder unter Leitung des Chormeisters" Born fanden großen Beifall."
In Volkstedt beenden die Fußbal­ler des Sportvereins Merkur die Saison in der 1. Kreisklasse (Staf­fel Mansfeld) auf dem ersten Platz. Mit zwei Punkten Rück­stand folgt die Spielvereinigung Helbra, die Spielvereinigung Eis­leben liegt weitere drei Punkte zurück. Auf Platz 4 folgt Wacker Helbra punktgleich mit dem Vf B Eisleben vor den Sportfreunden Klostermansfeld, dem BSC Hergisdorf und der Spielvereinigung Mansfeld-Leimbach.
1989: Das Eisleber Stadtparlament beschließt für die Jahre 1989/1990 eine Konzeption zur Lösung der Wohnungsfrage in Eisleben.
1991: Auf Beschluss der Gemeindevertretung Aseleben wird im Ort die B80 eine Stunde lang blockiert-Bürgerprotest gegen Lärmbelästigung und zunehmende Gefährdung durch den Straßenverkehr
1992: "Löwenjagd" im Kreis Eisleben.Bürger wollen bei Siersleben einen Löwen gesehen haben.Die Polizei ruft die Bürger über Lautsprecher auf, die Häuser nicht zu verlassen.Ein Hubschrauber kommt zum Einsatz.Schließlich wird ein großer Hund gefunden.


7.April
1933: Eisleben verleiht A.Hitler die Ehrenbürgerwürde

1940: Carl Schmucker gestorben,ein Kunsterzieher, den man auch den „Maler der Mansfelder Heimat" nannte. Er wurde am 13. April 1866 in Schleudlingen geboren, kam aber schon als Kind nach Eisleben, wo er das Königliche Gymnasium besuchte. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in Berlin, er legte dort die Prüfung als Zeichenlehrer für höhere Schulen ab und kehrte danach an seine alte Schule zurück. 1899 wurde er an die Erste Bürgerschule berufen, wo er bis zum Ruhestand 1931 tätig war. In einem Nachruf für den Verstorbenen wird dessen Arbeit gewürdigt. Man könne dessen Werke „als Heimatkunst im besten Sinne des Wortes bezeichnen", befand sein Kollege Arno Hofmann.
1956: Gustav Lüttig in Eisleben gestorben, Mansfelder Heimat­forscher und Mitarbeiter der Mu­seen der Lutherstadt Er wurde am 16. Dezember 1885 in Eisle­ben als Sohn eines Handwerkers geboren und absolvierte eine Aus­bildung zum Prokuristen.Nach einem Unfall wurde er vor­zeitig in den Ruhestand versetzt und widmete sich fortan der Hei­atforschung. Bis 1945 wirkte er im Vorstand des Vereins für Geschichte und Altertümer der Grafschaft Mansfeld und enga­gierte sich nach dessen Auflö­sung im Kulturbund. Gemeinsam mit Otto Wiedemann war er eh­renamtlicher Mitarbeiterderhie­sigen Museen und des Stadtar­chivs und machte sich 1949 und 1950 um die Neugestaltung der Ausstellungen verdient. Lüttig hinterließ zahlreiche Ver­öffentlichungen, unter anderem zur Geschichte des Klosters Sittichenbach der Entwicklung der Post in Eisleben.

8. April
1924: Tödlicher Unfall auf dem Hermannschacht bei Helfta. Der 16-jährige Bergjunge Gustav Müller wird von niedergehenden Gestein so schwer getroffen, dass er noch im Schacht seinen Verletzungen erliegt.Am selben Tag wird von den kirchlichen Körperschaften in Gerbstedt gemeldet: „Da im vorigen Jahr wegen der fortschreitenden Geldentwertung keine Kirchensteuern erhoben sind, andererseits durch Wegfall der Kapitalzinsen und Entwertung der Ackerpacht ein großer Ausfall an Einnahmen entstanden ist, müssen im laufenden Jahre 15 Prozent der Einkommen- und der Grundvermögenssteuer als Kirchensteuer erhoben werden."
1928: In den Eisleber Kinos steht erstmals der neue Lutherfilm auf dem Programm, „die beste deut­sche Filmschöpfung des Jahres", wie Kritiker meinten, „ein Film von riesenhaften Ausmaßen". In der Ankündigung lesen wir unter an­derem: „An den beiden Osterfeiertagen läuft Vormittages in den Eisleber Lichtspielen der schon oft von der Presse gewürdigte Reformationsfilm, der von Hans Kyser hergestellt ist. Die Ti­telrolle hat Eugen Klopfer über­nommen. Die spannende Hand­lung ist gerade für uns Mansfelder sehr fesselnd; und der erbitterte Kampf und das innere qualvolle Ringen des schlichten Mansfelder Bergmannssohnes wird trefflich vor Augen geführt und wird alle Herzen ergreifen." Am selben Tag begeht der Eisle­ber Tanzlehrer Oskar Hölzer sein 45-jähriges Berufsjubiläum. Der Chronist hält überdies fest, dass an den Ostertagen herrliches Wetter herrscht, was viele Aus­flügler ins Grüne lockt.

9. April
1901: Leichenfund im Wasser des Stiftsteiches am Eisleber Fried­richsberg. Tags darauf wurde gemeldet: „In dem Ertrunkenen, der gestern Vormittag aus dem Wasser am Friedrichsberge gezogen wurde, ist ein hiesiger Hütteninvalid erkannt worden, der aus Schwermut seinem Leben ein Ende machte. In der Stadt hatte sich das Gerücht verbreitet, der Tote sei der Flurhüter W."
Am selben Tag gelingt einem aus dem Eisleber Armenhaus entlau­fenen Knaben, der kurz zuvor in der Stadt aufgegriffen worden war, die Flucht. Wie es hieß, stammte der Junge aus Hettstedt und sollte von einem Polizeisergeanten wieder dorthin gebracht werden. Dabei sei er dem Polizis­ten entwischt.
1913: Aus Gerbstedt wird gemel­det: „Gestern kam ein Flugappa­rat, von Westen nach Osten fah­rend, in schnellem Fluge in be­trächtlicher Höhe über unsere Gegend hinweggeflogen." Wie weiter mitgeteilt wurde, handelte sich einen Eindecker, eine Rumpler-Taube, die kurz in Döberitz ge­startet war und in Halberstadt gelandet ist. Das Frühjahr ist ausgesprochen mild, wie aus der Helbraer Chro­nik hervorgeht, in der es heißt:„Die ersten Schwalben sind seit einigen Tagen wieder bei uns ein­getroffen. In diesem Jahre sehr früh, was wohl seinen Grund in dem andauernden warmen Wet­ter hat. Vor Mai kann sonst mit dem Eintreffen der .Segler der Lüfte' kaum gerechnet werden."

10. April
1913: Aus dem Eisleber Landrats­amt wird gemeldet:„Nachdem sich die Büroräume im älteren Teile des Landratsamtes als un­zureichend erwiesen hatten, wur­de im vorigen Jahr seitens des Kreistages ein entsprechender Umbau beschlossen. Dieser soll in der nächsten Woche in Angriff genommen werden.Die Räumung der alten Dienst­räume wurde bereits begonnen. Die Einkommensteuer-Veranlagung für den Mansfelder Seekreis wurde in dem gegenüber liegen­den alten Postgebäude in der Lin­denstraße untergebracht, wäh­rend die übrigen Büros in den neueren Anbau - teils ins Sit­zungszimmer des Kreisaus- schus­ses, teils in die Wohnung des Kreisboten verlegt wurden. Die umzubauenden Räume waren seit dem 1. Oktober 1886 in Be­nutzung. Bis dahin gehörte dieses Grundstück der Witwe Schaaf. Der Umbau wird von Herrn Mau­rermeister Aernicke ausgeführt."
1991: Im Kreishaushalt klafft ein Loch von rund drei Mio.Mark.Der Kreistag beschließt umstrittene Kreisumlage.Jede Gemeinde muß ab April aus ihrem Haushalt 10 Mark pro Einwohner an den Kreis abführen.

11. April
1903: Ostersonnabend wird in Eisleben, Hallesche Straße, das Cafe „Monopol" eröffnet. Einge­weiht wird das gesamte repräsen­tative Jugendstilhaus in Nachbar­schaft von Luthers Geburtshaus. Bauherr war der aus dem Tsche­chischen stammende Schneider­meister Jan Sedlak, der damit den Eingang zur Eisleber Innenstadt prägte. Der Chronist ist voll des Lobes: „Die gesamte innere Ein­richtung, sowohl, was die bauli­che Ausstattung wie die für den Wirtschaftsbetrieb erforderliche Ausrüstung betrifft, ist in gedie­gensten, vornehmen Geschmack gehalten.Der moderne Stil ist in einheit- lichen Wesen durchge­führt, ohne Aufdringlichkeit, ohne Überladung von Formen und Far­ben, und so kommt denn ein war­mer lebensvoller Ton in das Ganze.An der Fassade befindet sich das Mansfelder Gesamtwappen mit der Besonderheit, dass der linke, der den Schild flankierende Greif, den Heldrunger Löwen abdeckt, weil die Herrschaft Heldrungen seit 1815 nicht mehr zu den Mans­felder Kreisen, sondern zum Kreis Sangerhausen gehört.
1916: Am 11. April 1916 informierte das Eisleber Tageblatt, dass „auch an fleischlosen Tagen" Fleischbrühe verabfolgt werden dürfe. Die Zeitung schrieb: „Amtlich wird mitgeteilt: Nach-§ l der Bundesratsverordnung zur Einschränkung des Fleisch-und Fettverbrauchs vom 28. 10. 1915 ist die Verabfolgung von Speisen, die ganz oder teil­weise aus Fleisch bestehen, Dienstags und Freitags verbo­ten. Von einigen ist die Vor­schrift dahin verstanden wor­den, daß auch die Verabfolgung von Fleischbrühen an fleisch­losen Tagen untersagt sei..." Das sei nicht der Fall, da Brühe keine Fleischteile enthalte.
1930: Aus Helbra kommt die Meldung: „Auf dem Denkmalsplatz wird ein Springbrunnen angelegt. Mit den Erdarbeiten ist bereits begonnen worden." In Hettstedt wird an zwei denkwürdige Daten aus der Geschichte der Medizin erinnert: „Am 10. April jährte sich zum 175. Mal der Geburtstag des Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann. Nach Erwerb der Doktorwürde an der Universität Erlangen ließ sich Hahnemann als praktischer Arzt in Hettstedt nieder. In diesem Zusammenhang verdient Erwähnung, daß Hettstedt sozusagen die Vaterstadt der Trichine ist; bei einer Epidemie, die 1863 hier wütete, wurde der gefährliche Krankheitserreger zum ersten Mal entdeckt."
1991: Der Hettstedter Bundestagsabgeordnete Heinz Rother (CDU)versichert vor der Stadtverordnetenversammlung: "Es wird bald aufwärts gehen im Mansfelder Land"

12. April
1913: Aus Bornstedt wird mitge­teilt: „Auf dem sogenannten Sauterberge (Südberge) an der Einsdorfer Grenze ist wieder ein sel­tener Fund gemacht worden, ein Steinhammer von ungewöhnli­cher Größe und Schwere. Er ist 25cm lang und hat das stattliche Gewicht von 5 Pfund. Um ihn zu Schäften und zu befestigen, ist er nun aber nicht durchbohrt, son­dern zeigt eine 3 cm breite Rille, die aber nur flach ist.Schon vor 30 Jahren hat man auf dem Sauterberge ein Steinkistengrab aufgefunden, und seit jener Zeit sind zahllose Steinhämmer gefunden worden. Herr Prof. Her­mann Größler und dann auch Prof. Richard Jecht halten den Sauterberg für die älteste Sied­lung hiesiger Gegend. Die Funde sollten die Veranlassung zu einer systematischen Durchsuchung des ganzen Höhenrückens wer­den..."
1994: Hochwasser im Mansfelder Land. Nach wolkenbruchartigen Niederschlägen, verbunden mit Tauwetter verwandeln sich die Böse Sieben und die Wipper in reißende Ströme, ebenso der Dippelsbach und andere sonst harmlose Bäche. Die Wipper erreicht um die Mittagszeit in Wippra einen Höchststand von drei Metern, das benachbarte Friesdorf ist zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten. Zahlreiche Feuerwehren sind in den Landkreisen Hettstedt und Eisleben im Einsatz.In Eisleben überflutet die Böse Sieben die Petristraße und den Petrikirchplatz, weil in der Rammtorstraße ein Regeneinlaufschacht defekt war. Das Wasser erreicht die Schwelle von Luthers Taufkirche. Dann gelingt es Feuerwehr- leuten und Mitarbeitern des Betriebshofes mit vereinten Kräften das Loch in der Ufermauer zu schließen und so Schlimmeres zu verhindern. In der Petristraße wird ein im Bachbett der Bösen , Sieben verankertes Baugerüst von der Gewalt des Wassers mitgerissen.

13. April
1866: Carl Schmucker geboren, Maler und Kunsterzieher. Er kam als Kind nach Eisleben und be­suchte hier das Königliche Gym­nasium. Nach dem Kunststudium in Berlin kehrte er nach Eisleben zurück und unterstützte hier zunächst den Zeichenlehrer seiner ehemaligen Schule am Schloss­platz. 1899 wurde er an die Erste Bürgerschule, das spätere Lyze­um, berufen, wo er bis 1931 tätig war."Neben seinerTätigkeit als Lehrer ist Carl Schmucker aber beson­ders als Maler seiner Mansfelder Heimat bekannt geworden", schrieb Arno Hofmann in einem Nachruf für den am 7. April 1940 verstorbenen Künstler und fügte hinzu: "Ob seine Künstlerhand die Vaterstadt Eisleben, das Mans­felder Land, die Harzberge oder den Zauber der heimatlichen Wäl­der und Seen auf die Leinwand bannte, überall trat dem Beschau­er die gleiche Liebe zur Natur ent­gegen, die sich in seinen Werken stets aufs neue offenbart."
1915: Vom Freieslebenschacht zwischen Klostermansfeld und Mansfeld wird gemeldet: „In der Frühschicht verunglückte der 16jährige Bergjunge Gerhard Bonk, Sohn des Hütteninvaliden Friedrich Bonk aus Größorner, indem er unter einen Hunt geriet, der ihn noch 10 Meter mitschleifte. Bonk erlitt eine große Wunde am Kopf und Quetschungen an der Brust; seine Verletzungen sind lebensgefährlich. Er wurde nach Eisleben in das Knappschaftskrankenhaus gebracht." Ob der Bergjunge den Unfall überlebte, geht aus der Überlieferung nicht hervor.
1918: Die Mansfelder Behörden weisen auf Strafbestimmungen gegen den Schleichhandel mit Kartoffeln hin.Der Landrat des Mansfelder Seekreises, von Met­tenheim, macht bekannt: „Nie­mand darf ohne Erlaubnis des zu­ständigen Gemeindevorstandes Kartoffeln verkaufen, verschenken oder sonst in andere Hand übergehen lassen. Der Erwerb von Kartoffeln ist nur mit Genehmigung des Vorstandes der Gemeinde gestattet, zu deren Gunsten die Kartoffeln beschlag­nahmt sind. Insbesondere ist es strengstens verboten, Kartoffeln auf Bezugsscheine, die von an­deren Kommunalverbänden, z.B. Stadtkreis Halle, Stadtkreis Eis­leben usw., ausgegeben sind, abzugeben."Zuwiderhandlungen würden mit Gefängnis bis zu einem Jahr be­straft oder bis zu 10.000 Mark Geldstrafe.
1991: Die Mitteldeutsche Zeitung zieht von der Eisleber Klosterstraße in die Wilhelm Pieck-Straße 30 (Freistr.)
1993: Im Mansfelder Land wird ein Erdstoß registriert,der Ausläufer eines Bebens ,das in weiten Teilen Hollands,Belgiens und der BRD Schäden anrichtete

14. April
1949: Unglück im Wolf Schacht (seit 1951 Fortschrittschacht) bei Volkstedt vor den Toren von Eisleben. Fünf Bergleute kommen infolge eines Strebbruches beim Pfeilerabbau ums Leben, sie werden von niedergehenden Gestein erschlagen. Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus, der allein auf dem Wolf-/ Fortschrittschacht, der von 1906 bis 19 67 in Betrieb war, 141 Opferforderte. Ihre Namen sind in einer Kassette im Grundstein des Bergbaudenkmals auf der Eisleber Siebenhitze verwahrt. Ein weiteres Unglück, das mehr als drei Todesopfer forderte, ereignete sich am 8. August 1907 im Zirkelschacht bei Klostermansfeld, als sich während einer Seilfahrt beim Blockieren der Seilscheibe eine der Verschlusstüren öffnete und vier Bergleute 400 Meter in die Tiefe stürzten, der jüngste von ihnen war erst 17 Jahre alt.
1981: Letzte planmäßige Fahrt eines mit Dampflok bespannten Personenzuges vom Bahnhof Rohlingen nach Querfurt. „Ein his­torischer Augenblick für den Reichsbahndirektionsbezirk Hal­le", heißt es dazu in der Chronik, die fortfährt: „Punkt 10.08 Uhr setzte Lokführer Heinz Porst an der Seite des Heizer Werner Heft die festlich geschmückte Maschi­ne der Baureihe 528033-4 in Be­wegung. Die letzte Fahrt auf der rund 15 Kilometer langen Strecke begann, wo nach 40 Minuten Querfurt erreicht wurde." Die alte BR 52, die seit etwa 40 Jahren in Dienst war, wurde da­nach allerdings nicht verschrot­tet, sondern in Reserve gehalten. Für den Fall, dass eine der neuen Dieselloks ausfallen sollte, würde sie wieder zum Einsatz kommen, hieß es.

15. April
1611: Graf Friedrich Christoph von Mansfeld-Hinterort beruft Martin Rinckart (1586-1649) zum Diakon der Annenkirche in die Neustadt bei Eisleben. Rinckart, Autor des bekannten Kirchenlie­des „Nun danket alle Gott", war seit einem Jahr in Eisleben Kantor der Nikolaigemeinde und unter­richtete auch am Gräflichen Gym­nasium.Seine neue Aufgabe an St. Annen sollte ihm jedoch wenig Freude bringen. Rinckart hatte immer wieder Spannungen mit seinem vorgesetzten Pfarrer und dürfte 1613 über seine Berufung nach Erdeborn froh gewesen, wo er als Pfarrer mit seiner Familie bis 1617 bessere Jahre verlebte. Erarbei­tete jetzt auch schriftstellerisch und hatte mit seinem Dramenzyk­lus über Martin Lutherzum 100. Jahrestag des Beginns der Refor­mation einen ersten Erfolg.
1913: Das Eisleber Tageblatt mel­det aus der Lutherstadt: „Wie wir von zuverlässiger Seite hören, soll das Museum des Vereins für Ge­schichte und Altertümer der Graf­schaft Mansfeld, dessen Räume bekanntlich hinter Luthers Ster­behaus liegen, am kommenden 1. Mai, dem Himmelfahrtstage, mittags 12 Uhr eröffnet werden. Besondere Einladungen ergehen an die Spitzen der Behörden und die Vorsitzenden der Geschichtsvereine der Nachbarschaft.Das Museum mit seinen reichen Schätzen aus prähistorischer und historischer Zeit wird voraus­sichtlich ein neuer Anziehungs­punkt unserer Stadt werden. Es wird an Sonntagen von 11 -1 Uhr unentgeltlich und an den übrigen Tagen in noch zu bestimmender Zeit gegen ein geringes Eintritts­geld geöffnet sein."
1989: Die Eisenbahnstrecke Berlin-Kassel besteht an diesem Tag 110 Jahre.

16. April
1706: Andreas Wege, ein Sohn des Landschöppen CasparWege aus Wansleben am See, der seit 1687 in Eisleben wohnt, erwirbt von Johann Gebhard von Bülow den Seidenen Beutel, auch Sei­tenbeutel genannt.Es handelt sich um ein Anwesen in der Sack­gasse zwischen Petrikirche und der heutigen Bahnhofstraße, der seit 1926 zur Seminarstraße ge­hört und derzeit als Standort des Bergbaudenkmals „Seilscheibe" eine Aufwertung erfährt. Wege bezieht hier eine Wohnung und wird 1708 in den Annalen als Stadtvogt (Bürgermeister) ge­nannt. Später zieht er in die Lange Gasse in die Alte Post (heute Lu­therstraße 19), wo heute noch sein Familienwappen mit der Jah­reszahl 1714 an ihn erinnert.
1889: Razzia in der Eisleber Bahnhofstraße."Bei einer am Abend abgehaltenen polizeilichen Razzia wurden zwei lüderliche Dirnen festgenommen, welche die Passanten der Bahnhofstraße belästigten und sich auch auf dem Bahnof unnütz gemacht hatten".
1913: In Helfta macht ein Bericht der Querfurter Zeitung die Runde, in dem es um die älteste Kirchen­glocke Preußens geht. Wir lesen:„Durch verschiedene Blätter läuft gegenwärtig die Notiz, nach wel­cher Helfta die älteste Glocke Preußens besitzt. Wir müssen da­zu bemerken, daß diese Glocke nicht die älteste Preußens ist.Die älteste Glocke war auf Burg Quer­furt,ihr Verbleib ist leider nicht zu ermitteln. Sie trug die Jahres­zahl 1211.Über die Glocke in Helfta teilten wir früher mit: Sie hat einen Durchmesser von 109 cm und eine Gesamthöhe von 130cm. Die Inschriften bestehen aus ei­nem Gemisch von römischen und frühgotischen Schriftzeichen."Nach Prof. Größler lautet eine von auf deutsch: „Sei gegrüßt, Maria, Du Gnadenreiche, Der Herr ist mit Dir.Im Jahre 1234 bin ich gestiftet worden."
Am 16. April 1924 meldete das Eisleber Tageblatt: „Auf dem Hohenthal-, dem Wolf- und dem Hermannschacht sind Teile der Jugendlichen in den Ausstand getreten. Die Schutzpolizei mußte auf dem Wolfschacht eingreifen, um die Arbeitswilligen zu schützen und Zusammenrottungen zu vermeiden. - Vom Hermannschacht aus waren gestern mittag etwa 400 Jugendliche unter Absingen der Internationale im Anmarsch auf Eisleben. Die Schupo fing den Zug bei Helfta ab. 150 der Jugendlichen wurden zum Kommando der Schutzpolizei gebracht. Gegen sie ist Anzeige wegen verbotenen Umzuges erstattet worden."
1931: Am 16. April 1931 meldete das Eisleber Tageblatt aus Benndorf: „Am ersten Osterfeiertag fand die Weihe der in der Kirche tags zuvor angebrachten Tafeln statt, auf denen die Namen der 67 aus unserer Gemeinde im Welt­kriege 1914-18 Gefallenen und an den Folgen des Krieges Ver­storbenen verzeichnet sind. Herr Vikar Burdach fand in An­lehnung an den Auferstehungs­text der Osterpredigt und unter Hervorhebung unseres Herrn Jesus Christus als Vorbild der Opferbereitschaft bis zum Tode, treffende Worte, die zum Herzen gingen und die Herzen erbeben ließen..."
1945: Am Rande der Gemeinde Helfta am Fuße der Hermannschächter Halde steht die Einzäunung eines riesigen Areals vor dem Abschluss, das fast bis an die Kupfermühle bei Unterrißdorf reicht. Hier richtet die US-Army eines der größten Gefangenenlager in Mitteldeutschland ein.Etwa 60.000 bis 80.000 Angehörige der Wehrmacht, aber auch Mitglieder der Nazipartei oder Personen, die dafür gehalten wurden, wurden hier unter freiem Himmel eingepfercht, ohne sanitäre Anlagen, ohne Witterungsschutz, mit minimaler Verpflegung. Die Zahl der Todesfälle auf diesem Areal ist nicht dokumentiert, aber laut Überlieferung waren bis Pfingsten täglich Lkw zu sehen, die Leichen abtransportierten. Am 20. und 21. Mai wurde das Lager aufgelöst.In den 1990er Jahren angestellte Untersuchungen über den Bestattungsort der Leichen verliefen ergebnislos.

17. April
1696: "von Amts wegen wird angezeigt, daß vom Leichnahm eines in Wolferode aufgehängtes Diebes ein Daumen abgerissen wurde.Die Schenke von Blankenheim stand im Verdacht,ihn aus Aberglauben ins Bier gehängt zu haben."
1889: Die Luther-Freischule Eisleben veröffentlicht einen Bericht „über die Versorgung nothleidender Kinder im verflossenen Winter". Aus Spendenmitteln habe man mit Genehmigung des Magistrats am 18. Januar begonnen, Milch und Weißbrot an 54 der insgesamt 460 Kinder zu verabreichen. Bis zum 6. April wurden an 67 Tagen 3933 Portionen Milch und Weißbrot verteilt. Durchschnittlich bekamen 19 Kinder in Familien Mittagessen. „Bei der letzten Verabreichung der Milch und des Mittagessens wurden die Kinder ermahnt, ihre Dankbarkeit für die empfangenen Wohltaten durch höfliches Betragen auf der Straße zu beweisen", schreibt Rektor Storbeck und fügt hinzu: „Aufgegeben wurde ihnen, in den Familien, die ihnen Mittagessen gewährten, ihren Dank abzustatten.Da im Sommer die Eltern der Kinder und sie selbst Gelegenheit zur Arbeit und zum Verdienst finden können, ist den Kindern angedroht, daß sie im nächsten Winter keine Berücksichtigung fänden, wenn wir Lehrer in Erfahrung brächten, daß sie gebettelt hätten."
1921:Am 17. April 1921 berichtete das Tageblatt aus Dederstedt: „In den Aufruhrtagen Ende März hatte sieh auch hier ein kommunistischer Aktionsaus­schuß gebildet, der sogleich alle vorhandenen Waffen einforder­te. Unter Bedrohung mit der Waffe wurden unsere sonst friedlichen Landarbeiter von hiesigen und auswärtigen Kom­munisten vom Acker heimge­trieben und zum Streik gezwun­gen [...] Am 31. März wurde der Vorsitzende des Aktionsaus­schusses samt seiner Frau und einem jungen Burschen, der als Haupträdelsführer galt, durch Sipos abgeholt und nach Eisleben gebracht..."
1925: Kranzniederlegung am Friedrich-König-Denkmal Eisleben. In der Chronik heißt es dazu: „Aus Anlaß des Geburtstages Friedrich Koenigs, des Erfinders der Buchdruckschnellpresse, legte der Ortsverein Eisleben im Verbände der Deutschen Buchdrucker heute morgen am Denkmal in der Koenigstraße einen Kranz mit Widmung nieder. Die Gesangsabteilung des Vereins ehrte das Andenken des genialen Erfinders durch gut zum Vortrag gebrachte Lieder." Johann Friedrich Gottlob König wurde am 17. April 1774 in Eisleben auf der Viehweide (heute Lindenallee) geboren und besuchte von 1783 bis 1790 das Königliche Gymnasium am Andreaskirchplatz. Er starb 1833 in Oberzell bei Würzburg.
1938: Der Ostersonntag ist im Mansfeldischen von Regen und Schneeschauern überschattet. Trotzdem leuchtet am Abend bei Alterode über dem Einetal ein Osterfeuer. „Auf dem unweit des Dorfes gelegenen Osterberg wur­de in der Abenddämmerung der mächtig aufgestapelte Holzstoß nach alter Tradition von der Jugend angezündet", heißt es dazu in der Chronik.In Hergisdorf wurde am selben Tag eine Pfingstgesellschaft ge­gründet.Der Chronist notiert: „In einer am 1. Osterfeiertag in der „Grünen Laube“ stattgefundenen Versammlung schloß sich eine stattliche Anzahl junger Burschen zur Pfingst -gesellschaft zusam­men, so dass auch in diesem Jahr der alte Brauch des Pfingsttanzes mit allem Drum und Dran wieder gesichert ist."
1992: Erstes Dampflokspektabel in Klostermansfeld.Am Abend wird der Ort von etwa 40 Hooligans heimgesucht,die Schaufensterscheiben zertrümmern.Ihr Versuch in die Diskothek "Hollywood" einzudringen wird abgewehrt.
2016: Am 16.und 17.April fand die 7.regionale Kunstausstellung im Helbraer Sonnensaal mit 50 Künstlern statt.
Neben Landschaften sind in diesem Jahr besonders viele Porträts zu sehen.

18. April
1898: Helbra:Zur Aufnahme in die ev. Schule sind 113 Knaben und 98 Mädchen angemeldet worden. Die kath. Schule nimmt 100 Kinder auf.Die Pflasterung der Lindenstraße ist jetzt vollendet und wird letztere nunmehr eine Hauptverkehrsstraße unseres Ortes werden. Die Straße zwischen dem Gasthof „Zur Sonne“ und dem A. Meyerschen Hause wird in nächster Woche vollendet.Durch Selbstmord geendet hat der vor ca. 4 Wochen von hier verschwundene Bergmann Robert Mann. Man vermutete damals, daß der junge Mensch in die „Anna“ gegangen und diese Vermutung hat sich bestätigt. Heute ist die Leiche des M. an die Oberfläche des Wassers gekommen und vom Sohne des Pächters des Bades „Anna“ gefunden worden.
1918: In Eisleben wird bekannt gemacht: „Der Abfallverwertungsausschuß erinnert erneut daran, daß die Schüler aller Eisleber Schulen jeden Freitag in den Wohnungen erscheinen,um Ab­fälle aller Art abholen, z.B. Kno­chen,Konserven- dosen, Flaschen, Papier, Gummi- und Metallabfälle, Korke, Frauenhaar, Lumpen usw. Jeder Haushalt wird gebeten, alles herauszugeben, was sich wö­chentlich ansammelt.Die Abfälle und der Erlös werden für vaterländische Zwecke ver­wendet."Am selben Tag meldet die Wet­terstation Eisleben eine mittlere Temperatur von 11,4 Grad, am Vortag waren es 13,0 Grad. In den vergangenen 24 Stunden gab es keinen Niederschlag.

19. April
1911: Aus Volkstedt wird gemel­det: „In der letzten Zeit sind auf einem dem Ökonomierat Hörning gehörigen Acker Erdsenkungen vorgekommen. Bis jetzt hat man 25 solcher Erdfälle gezählt, wel­che vier bis fünf Meter breit und drei bis vier Meter tief sind. Sie befinden sich an dem Wege Volk­stedt-Burgsdorf." Am selben Tag wird Verwaltungs­bericht der Mansfeldischen Kup­ferschiefer bauenden Gewerk­schaft veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt: „Bei dem anhaltendem Tiefstande der Kup­fer- und Silberpreise hat sich das wirtschaftliche Ergebnis der Kup­ferschiefer-Berg-und Hüttenwer­ke wiederum wenig günstig ge­staltet. Für Raffinadkupfer ist in 1910 sogar noch ein weiterer Rückgang des durchschnittlichen Verkaufspreises um 27,45 Mark je Tonne eingetreten..."
1913: Das Hotel und Cafe „Zum Graf Hoyer" am Eisleber Bahn­hofsring wird wiedereröffnet, wie es heißt „vollständig neu herge­richtet". Inhaber Paul Aderhold verspricht, „allen an mich gestell­ten Anforderungen des verehrten Publikums gerecht zu werden."Am selben Tag gibt der Friseur Otto Koch die Einrichtung eines „mit den neuesten Apparaten ausgestatteten" Damensalons am Eisleber Bergamt bekannt.Der Tag wird in Eisleben von ei­nem Unglück auf dem Güterbahnhof überschattet. Der Bergmann K. Schulze, der in der Lutherstra­ße 26 wohnt und im Fuhrgeschäft Burkhardt aushilfsweise tätig war, gerät beim Ausladen von Buchen­stämmen unter eines der Hölzer. Er wird überrollt und tödlich ver­letzt.
1991: Brand in der Eisleber Mibag (früher BMK Chemie) in der halleschenstraße.

20. April
1918: Versammlung des Gastwir­tevereins in Eisleben in der Gast­stätte „Tulpe" am Markt. Dabei geht es um das Thema Versor­gung der Gaststätten mit Lebens­mitteln, die angesichts der allge­meinen Mangelwirtschaft „teil­weise unmöglich geworden ist", wie der Stadtverordnete Pfautsch in seiner Begrüßung zum Ausdruck brach­te. Als Ursache wurde eine neue Bundesratsverordnung genannt, die den Schleichhandel mit schweren Strafen bedroht. Vertreter der Gastwirte seien des­halb bereits in Berlin bei den zu­ständigen Stellen vorstellig ge­worden, „um auf die unausbleib­lichen, unser inneres Verkehrs­und Wirtschaftsleben schwer ge­fährdenden Folgen der Maßnah­men" aufmerksam zu machen. Die Staats- regierung habe sich der Berechtigung der Wünsche nicht verschlossen und die Angelegen­heit zur Prüfung an das Kriegser­nährungsamt weitergegeben.
1925:Die Eisleber Stadtverordnetenversammlung befasst sich unter anderem mit der möglichen Wiederkehr der Elektrischen Kleinbahn im Mansfelder Revier. „Aus einem Antrage der Kleinbahn, ihr in Eisleben die Linienführung durch die Kleine Bahnhofstraße zu gestatten, um die bisherige Kurve am Haubnerschen Grundstück in der Oberen Bahnhofstraße aus technischen Gründen in Fortfall kommen zu lassen, darf jedenfalls geschlossen werden, daß der Zeitpunkt näher kommt, der dieses notwendige Verkehrsmittel für das Mansfelder Land zu neuem Leben erweckt", schreibt der Berichterstatter des Eisleber Tageblattes.
1931: Generalappell der Kreis­gruppe Eisleben-Land des Bun­des der Frontsoldaten „Stahl­helm" in der Lutherstadt. Der evangelische Superintendent Al­fred Valentin sagt: „Die alten Frontsoldaten und die Kirche ha­ben das gleiche Ziel, beide richten ihre Hauptgedanken auf die Be­freiung der Nation, von der wir nie und nimmer lassen werden... Unsere Zeit ist groß, ein gewal­tiger Kampf der Weltanschauun­gen ist entbrannt; Nationalismus und Internationalismus stehen sich gegenüber. Unser Schicksal ist Deutschland, unsere Nation ... Zum Kampf der Geister gehört der Begriff der Ehre. Unsere Ehre ist deutsch zu sein und deutsch zu leben. Jeder Mensch lebt von dem Stolz, den sein Volk hat. Zur Ehre gehört die Wehrhaftigkeit, die man in deutschen Landen ver­gessen hat. Wenn das deutsche Volk nicht zu ihr zurückfindet, ist der Untergang des Abendlandes gewiß..."

21. April
1903:Helbra: In der hiesigen evangelischen Schule sind am Montag 225 Kinder aufgenommen worden, in die katholische Schule 93 (46 Knaben und 47 Mädchen).

22. April
1900: Die Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier nimmt ein weiteres Teilstück in Betrieb, Erstmals können die Fahrgäste vom Eisleber Plan planmäßig bis nach Helfta fahren, wo sich hinter dem Gemeindeamt in der Hauptstraße die Endstation befindet.Wie die Helftaer auf die Ankunft des neuen Verkehrsmittel reagiert haben, ist nicht überliefert. Einen Augenzeugenbericht gibt es jedoch beispielsweise aus den Mansfelder Grunddörfern, der die Begeisterung ahnen lässt, die an der Strecke herrschte.Zitat: „Unterwegs überall das fröhliche Winken und Zurufen, dieselben froh erstaunten Gesichter in den Fenstern, oft zwei, drei Köpfe übereinander. Viele Türen öffneten sich, und man sah mancherlei Gestalten, die ihre augenblickliche Beschäftigung um des neuen, eigenartigen Schauspiels willen schnell verlassen hatten."
1913: Aus Blankenheim wird ge­meldet: „In dem im Umbau begrif­fenen Tunnel der Eisenbahnstre­cke Halle - Kassel, welcher zur Zeit nur eingleisig befahren wird, stürzte heute morgen das Gerüst zusammen. Drei Arbeiter wurden schwer verletzt. Der Tunnel wurde auf mehrere Stunden gesperrt." Die Fahrgäste der folgenden Per­sonenzüge mussten zu Fuß durch Blankenheim zum anderen Ende des Tunnels, wo die nächsten Waggons bereitstanden. Wie sich herausstellte, war ein Bauzug am Gerüst hängengeblieben und hatte es umgerissen.Der Zug sollte Gerüstböcke in den Tunnel bringen, zur Abstützung des abzubrechenden Mauer­werks. „Während der Fahrt hatten sich diese wahrscheinlich ver­schoben und waren gegen andere bereits aufgestellte Gerüstblöcke gestoßen", heißt in einer offiziel­len Mitteilung.
1931:Am 22. April 1931 berichtete das Eisleber Tageblatt aus Hettstedt: „Bei nicht besonders freundlichem Wetter nahm die Segelfliegergruppe ,Mansfelder Land' am Sonntag auf dem Marktplatz die Taufe des von ihr erbauten Gleitflugzeuges vor. Im Namen der Gruppe be­grüßte Schlossermeister Lucius die in großer Zahl erschienenen Interessenten und Ehrengäste. Die Taufrede hielt Bürgermeis­ter Berger..." Den eigentlichen Taufakt nahm dann die Frau des Bürgermeisters vor, die dem Segelgleiter unter allgemeinem Beifall den Namen „Nappian" gab - zur Erinnerung an den legendären Bergknappen.

23.April
1836: Bergrat Friedrich Zimmer­mann gestorben, 1816 bis 1832 Chef des Eisleber Bergamtes und Förderer der Bergschule. Er wur­de 1778 in Quedlinburg als Sohn eines fürstlichen Domänenpäch­ters geboren und begann seine Ausbildung am preußischen Berg­amt in Rothenburg. Danach stu­dierte er Chemie, Physik, Mine­ralogie und Mathematik, bevor er nach Rothenburg zurückkehr­te. Bis 1807 war er Schreiber auf der Friedeburger Hütte und wurde vom Oberberghauptmann Ger­hardt bald zum Oberhüttenin­spektor ernannt. 1812 wechselte er nach Eisleben ins Bergamt, wo er 1816 als Nachfolger Franz von Veitheims die Leitung übernahm. Zimmermann, der auf Wissen­schaft und Technik setzte und deshalb die Bergschule nach Kräf­ten förderte, machte sich als Um­gestalter des hiesigen Bergbaus einen Namen.
1913: Eislebens Chronist zieht eine Bilanz der Schulspeisung für Kinder, deren Familien in Armut leben müssen. Wir lesen: „In der Knabenvolksschule fand die Spei­sung vom 6. Januar bis zum 8. März, und zwar an 54 Schultagen statt. 100 Kinder aus bedürftigen Familien erhielten täglich wäh­rend dieser Zeit halb acht Uhr Milch und Schwarzbrot und mit­tags 12 Uhr Mittagessen.Von 54.000 verabfolgten Portio­nen kostete durchschnittlich jede Frühstücksportion 8,16 Pfennige und jede Mittagsportion 12,1 Pfennige." In der Mädchenvolks­schule wurden die Kinder vom 7. Januar bis 8. März verpflegt. Hier kostete die Frühstücksportion im Durchschnitt 7,325 Pfennige, die Mittagsportion 14,18 Pfennige. In der katholischen Volkschule erhielten 49 bedürftige Kinder warmes Frühstück, bestehend aus 1 /3 Liter Milch und zwei Sem­melwecken.
1929: Aus Bornstedt wird gemeldet: „Auf Einladung des Pastors Clemet fand im Gasthaus Zwanzig'eine Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins statt, die sehr zahlreich besucht war. Als Referentin war die Gauführerin Freifrau v. Bülow in Begleitung von Pastor Graf aus Beyernaumburg erschienen.
In die ausgelegte Liste zeichneten sich 30 Damen als Mitglieder ein, gewiß ein schöner Anfang für unseren Ort! Als Vertrauensdamen wurden Frau Oberamtmann Hayessen, Frau Pastor Clemet und Frau Gutsbesitzer Keßler gewählt. Es wurde ein Jahresbeitrag von 2 Mark festgesetzt. Zusammenkünfte sollen alle 4 Wochen im Pfarrhause stattfinden. Bereits vor dem Krieg bestand hier eine Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins."
1930: Gewitter über Eisleben. In der Chronik heißt es dazu: „Unter Blitzen und Donnergetöse prasselte gegen 5 Uhr nachmittags ein überaus heftiger Gewitterregen über unsere Stadt nieder. Der Regenguß war derart stark, daß in verschiedenen Stadtteilen die Kanäle die Wassermengen nicht mehr aufnehmen konnten, so daß die Straßen tief unter Wasser standen."Am stärksten betroffen war das Grundstück Kreisfelder Gasse 38, auf dessen Hof sich die Flut staute. „Die in den Stallungen befindlichen Ziegen, Kaninchen und Lämmer konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden", so der Chronist und ergänzt: „Das Schwein mußte vorübergehend in der Küche Aufnahmefinden..."

24. April
1889: Der Eisleber Magistrat gibt bekannt: „Aus Mitgliedern des hiesigen Turnvereins und des Kriegervereins haben sich freiwillige Feuerwehren gebildet. Die Mitglieder der freiwilligen Turnerfeuerwehr, sämtlich uniformiert, haben bei entstehenden Feuersbrünsten die Löscharbeiten zu verrichten, die durch den direkten Angriff auf das Feuer bedingt werden. Die Mitglieder derfreiwilligen Kriegerfeuerwehr sind berufen, die Straßen in der Nähe der Brandstätte abzusperren und die geretteten Mobilien etc. zu bewachen. Die Mitglieder dieser Feuerwehrtragen als Abzeichen am Arm eine weiße Binde und füngieren als polizeiliche Hilfskräfte... Wir bemerken, daß Widerstand gegen Feuerwehr-Mitglieder bei Ausübung ihrer Tätigkeit nach den gesetzlichen Bestimmungen strafbar ist."
1913: In Helbra tagt die Gemein­devertretung. Der Chronist no­tiert unter anderem: „Von der Sächsisch-Thüringischen Eisen­bahn- und Betriebsgesellschaft zu Eisenach ist ein Antrag einge­gangen, derselben zu den Vorar­beiten zum Bau einer normalspurigen Eisenbahn von Harzgerode nach Eisleben 500 Mark zu be­willigen, da durch überschlägige Zusammenstellung diese Strecke genügend Verkehr aufweist. Die Gemeindevertretung verspricht sich jedoch von dem Bahnbau­projekt für Helbra keine Vorteile, weshalb sie den Antrag ablehnt." Stattdessen wird beschlossen, 600 Mark dem Festausschuss zur Vorbereitung der Feierlich­keiten zum 25-jährigen Thronju­biläum Kaiser Wilhelms II. zu be­willigen, die am 15. Juni stattfin­den sollen.
1932 Eisleben
Landtagswahl in Preußen.In Eisleben nehmen laut Stadtchronik 14.022 Wahlberechtigte an der Abstimmung teil. 6003 von ihnen stimmen für die NSDAP. Das zweitbeste Ergebnis in der Stadt erzielt die KPD mit 2784 Stimmen,gefolgt von der SPD mit 2349 Stimmen. Es folgen die Deutschnationale Volkspartei mit 1292 Stimmen,das Zentrum mit 584 Stimmen und die Deutsche Volkspartei mit 420 Stimmen.Ähnliche Ergebnisse werden auch aus dem Mansfelder Seekreis und dem Mansfelder Gebirgskreis gemeldet. Bei der Reichstagswahl im Juli wählten in Eisleben 6405 Bürger die NSDAP,im Mansfelder Seekreis kam die NSDAP auf 18569 Stimmen,die KPD auf 13073 Stimmen,die SPD auf 9794 Stimmen. Ein halbes Jahr später ist Hitler Reichskanzler

25. April
1898: Helbra:Die Unsitte der Kinder sich an in. der Fahrt befindliche Wagen zu hängen, hätte am Sonnabend Nachmittag leicht wieder ein größeres Unglück herbeiführen können, An einem von Herrn Werner geführten und diesem gehörigen Wagen hängte sich bei der Einfahrt aus der Wilhelm— in die Siebigeröderstraße unbemerkt vom Geschirrführer die etwa 7-jährige Tochter des Bergmanns Bruns. Hierbei kam das Kind mit dem Fuß an das linke Hinterrad und dieses zog das Bein zwischen Rad und Wagenhöhle. Herr Werner konnte auf das Geschrei des Kindes glücklicherweise die Pferde sofort zum Stehen bringen und das Kind aus seiner gefährlichen Lage befreien. Außer einigen Hautabschürfungen hatte dasselbe andere Verletzungen nicht erlitten.
1915: Am 25. April 1915 machte der Eisleber Magistrat im Tageblatt bekannt, dass fortan sämtliche Vorräte von Zucker den Behör­den gemeldet werden müssen. Wir lesen in der Anordnung unter anderem: „Anzuzeigen sind alle Vorräte an Zucker, die insgesamt 10 Kilogramm (20 Pfund) übersteigen. Anzeige­pflichtig sind: I. Alle Haushal­tungen einschließlich der Bä­ckereien und Konditoreien, Gasthäuser, Gastwirtschaften, Pensionen, Kaffeehäuser, Tee­stuben, Kantinen, Vereins- und Erfrischungsräume, Kranken­häuser, Strafanstalten usw. II. Händler, die unmittelbar an die unter I. Genannten Zucker abgeben..."
1919: Die Behörden machen bekannt: „Der 1. Mai ist nunmehr als Feiertag im Sinne reichs- und lahdesgesetzlicher Vorschriften festgelegt. Das Gesetz besagt: Es wird ein allgemeiner Feiertag eingeführt, der dem Gedanken des Weltfriedens, des Völkerbundes und des internationalen Arbeiterschutzes geweiht ist und für den der Charakter eines Weltfeiertages angestrebt wird. Seine endgültige Festlegung erfolgt nach Friedensschluß und Verabschiedung der Verfassung. In diesem Jahr wird er am I.Mai gefeiert, zugleich als eine Volkskundgebung für politischen und sozialen Fortschritt, für einen gerechten Frieden, für sofortige Befreiung der Kriegsgefangenen, für Räumung der besetzten Gebiete und für volle Gleichberechtigung im Völkerbund."
1921: Die Einrichtung einer Kraft­wagenverbindung zwischen Eis­leben, Aisleben und Bernburg scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein. Der Regierungspräsident macht bekannt, dass die Kraft­verkehrsgesellschaft m.b.H. Sachsen-Anhalt die vorläufige Er­laubnis zur Personenbeförderung auf der Linie Eisleben - Polleben - Gerbstedt - Belleben - Bern­burg erhalten habe. „Wie verlautet, ist die Aufnahme des Betriebes für den 1. Juli in Aus­sicht genommen, und zwar mit einem Wagen, der täglich in jeder Richtung einmal verkehren dürf­te", so das Eisleber Tageblatt und fügt hinzu: „Bereits vor dem Krieg hatten Stadtverwaltung und Bür­ger unserer Stadt durch Grün­dungeiner Eisleber Kraftwagen­betrieb G.m.b.H. versucht, dem im Geschäftsverkehr täglich fühl­baren Mangel geeigneter Ver­kehrsverbindungen Eislebens mit der Umgegend abzuhelfen."
1933: Der beurlaubte Landrat des Mansfelder Seekreises, Wilhelm Koch (SPD), wird in Nordhausen verhaftet. Vor Jahresfrist hatte er den jetzigen kommissarischen Landrat Ludolf von Alvensleben (Nazi-Partei) festnehmen lassen, der sich jetzt revanchierte. Auch ein früheres Mitglied des Kreisausschusses wird festgenommen: Schmidtchen.,Oberröblingen.
Die neuen Machthaber warfen Koch „Misswirtschaft" und „Verfehlungen im Amt" vor. Auch der frühere sozialdemokratische Landrat des Mansfelder Gebirgskreises, Dr. Fitzner, habe sich Amtsverfehlungen zuschulden kommen lassen, behaupten Alvensleben und seine braunen Gefolgsleute. Das Eisleber Tageblatt sprach von einem „marxistischen Korruptionssumpf" und unterstrich: „Die Reinigung wird, wie uns versichert wird, rücksichtslos fort- und durchgeführt, die Schuldigen werden ohne Ansehen der Person zur Verantwortung gezogen werden."
2016:Stadtwerke bauen neue Wärmetrasse. Die Arbeiten beginnen am Heizkraftwerk.Die Stadtwerke der Lutherstadt Eisleben GmbH neh­men ihr nächstes Vorhaben in An­griff. Am Montag, den 25.4.2016 beginnen die Bauarbeiten für eine neue Fern­wärmetrasse zwischen dem Heiz­kraftwerk im Heizhausweg und dem Bahnhof der Lutherstadt Eisle­ben. Die Strecke ist etwa 2,5 Kilo­meter lang. „Mit dieser Leitung er­weitern die Stadtwerke ihr Engage­ment in eine besonders klimascho­nende Versorgung mit Wärmeener­gie", teilte ein Stadtsprecher mit.Nach Angaben der Stadt führt der erste Bauabschnitt vom Heiz­haus in westliche Richtung bis Raismeserstraße 45 (ehemaliges Ein­kaufszentrum). Dabei werden die Straßen Heizhaus- weg, Raismeserstraße vor der Einfahrt zur Grund­schule „Thomas-Müntzer" und Raismeserstraße 45 am Ende des ers­ten Abschnittes gequert. Das Bau­vorhaben wird laut Stadt voraus­sichtlich bis Anfang November die­ses Jahres dauern.

26. April
1928: Die Generalversammlung der Mansfeld AG in Leipzig bilan­ziert für das Jahr 1927 einen Rein­gewinn von 2,8 Millionen Mark. Es werden sieben Prozent Divi­dende auf das Stammaktienka­pital vorgeschlagen. Ende 1927 hatte der Konzern insgesamt 22 983 Beschäftigte.Am selben Tag äußert sich das Eisleber Tageblatt über den „Ro­bin Hood des Mansfelder Landes", Max Hölz, der sich als einer der Anführer des niederge­schlagenen mitteldeutschen Auf­stands vom März 1921 in Haft be­findet. Wir lesen: „In letzter Zeit war in der gesamten Linkspresse - und die demokratischen Blätter hoben sich dabei besonders her­vor - eine Entlastungsoffensive größten Stils zugunsten des mitteldeutschen kommunistischen Räuberhauptmanns Holz geführt worden.Der Kampf ging unter der Parole: .Nicht Gnade, sondern Recht für Hölz!'
Man forderte ein Wieder­aufnahmeverfahren für den roten Helden, der ein Idealist, niemals ein Mordbrenner sei..."
1992: Ein 19-jähriger Mann findet im Süßen See den Tod.Er war in der Nacht aus einem Ruderboot ins eiskalte Wasser gefallen. Seine Leiche wurde erst am 6.Mai gefunden.

27. April
1921: Aus Klostermansfeld wird gemeldet, dass die zu einem Zweckverband zusammenge­schlossenen Gemeinden Klos­termansfeld, Helbra, Ahlsdorf und Burgörnerdas im Jahr 1914 von der Kontinentalen Wasser-werks-Gesellschaft Berlin gebau­te Wasserwerk gekauft hätten. „Diese Tatsache wird wohl von allen Wasserabnehmern der be­treffenden Gemeinden mit Freu­de begrüßt werden, ist sie doch geeignet, endlich einmal feste und gerechtere Preisverhältnisse in dem Wasser- bezuge zu schaf­fen", lesen wir und erfahren: „Die Veranlassungzum Ankauf des Wasserwerkes gaben die fortge­setzten Differenzen zwischen der Kontinentalen Wasserwerks-Gesellschaft Berlin und dem Zweck­verband wegen der immer wieder gestellten Forderungen der Ge­sellschaft auf Preiserhöhung des Wassers, die den Unwillen der Konsumenten erregten."
1938: Aus Wimmelburg wird be­richtet: „Bei dem hiesigen Stan­desamt, das für die beiden Ge­meinden Wimmelburg und Wolferode zuständig ist, wurden im ersten Vierteljahr 1938 insge­samt 25 Geburten gemeldet, und zwar für Wimmelburg 11 Kinder (5 Knaben und 6 Mädchen), und für Wolferode 1,4 Kinder (7 Kna­ben und 7 Mädchen), darunter je eine uneheliche Geburt. Es star­ben in beiden Gemeinden 15 Ein­wohner, 6 Erwachsene und 1 Kind in Wimmelburg und 7 Erwachsene und 1 Kind in Wolferode. Den Bund der Ehe schlossen 6 Paare, 2 in Wimmelburg und 4 in Wolferode.Bei der Aufnahme der Schulneu­linge wurden 51 Kinder einge­schult gegen 38 im Vorjahre. Die­ses erste Schuljahr ist das stärks­te an unserer Schule."
1955: Gudrun Berend geboren, eine der erfolgreichsten Mansfelder Sportlerinnen aller Zeiten. Sie ist in Thondorf aufgewachsen und hat im benachbarten Siersleben bei Paul Saray und Werner Hilpert den Weg zur Leichtathletik gefunden. In der 9. Klasse wechselte sie an die Kinder- und Jugendsportschule Halle, wo sie beim Sportclub Chemie den Sprung in die Nationalmannschaft schaffte und bald zu den besten Hürdensprinterinnen der Welt gehörte. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal erreichte sie den Endlauf, wurde Vierte. Zwei Jahre später holte sie Bronze bei den Europameisterschaften in Prag. Als Sportlehrerin kehrte Gudrun Wakan-Berend nach ihrer aktiven Laufbahn in das Mansfelder Land zurück, unterrichtete in Ahlsdorf und Benndorf. Sie starb am 11. August 2011.
1989: In der Malzfabrik Sangerhausen geht der dritte Keimsaal nach Rekonstruktion in Betrieb

28, April
1914: Der Verkehrsverein Eisleben stellt für den 24. Mai die Landung eines Parseval -Luftschiffes auf dem Wiesengelände in Aussicht, Nach Mitteilung des Vereins gab es Verhandlungen „mit der Leitung des gegenwärtig in Leipzig stationierten Luftschiffes", die auch bereits „zu einem gewissen Ergebnis" geführt hätten.Lediglich über den Termin, an dem der Parseval von Leipzig kommen und auf der Wiese landen soll, „war eine endgültige Abmachung noch nicht möglich", heißt es in der Mitteilung.Die beiden in Frage kommenden Tage, an denen das Luftschiff noch keine anderen Verpflichtungen hatte-genannt wurden der 10. und 17. Mai passten den Eislebern nicht. Am 10. Mai war auf der Wiese ein Fußballspiel angesetzt und für den 17. Mai hatte sich die Berliner Literarische Gesellschaft angesagt. Jetzt hoffe man darauf, dass das Luftschiff am 24. Mai kommen kann.
1925: Fackelzug der Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Verbände in Eisleben zur Feier des Hindenburg-Sieges bei der Reichspräsidentenwahl. „Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Kameraden, illuminiert eure Häuser! Antreten am Landbundhause Spitze Landwehr (Hallesche Straße) abends 8 Uhr - mit Fahnen und Spielleuten. Abmarsch abends 8.15 Uhr. Auf dem Markt: Großer Zapfenstreich", heißt es in einem Aufruf. Danach trafen sich die Angehörigen des Bundes der Frontsoldaten „Stahlhelm" sowie des „Wehrwolfs" und der Organisation „Scharnhorst" in der „Terrasse" an der Landwehr (heute Theater). Die übrigen Mitglieder vaterländischer Verbände feierten im Landbundhaus (heute „Mansfelder Hof"): Militär- und Kriegervereine, Jungdeutscher Orden und Sanitätskolonne.
1989: Auf dem Bernard-Koenenschacht Niederröblingen nimmt eine neue Produktionsstätte der Mikroelektronik den Probebetrieb auf.

29. April
1913: Der Landrat des Mansfelder Gebirgskreises, von Massel, setzt sich im preußischen Abge­ordnetenhaus für bessere Eisen­bahnverbindungen im Mansfeldischen ein. Grund: Der Bergbau läuft aus, die Bergstädte Hettstedt, Leimbach, Mansfeld und Umgebung hätten in den vergan­genen acht Jahren zehn bis 20 Prozent ihrer Einwohner verloren. Das Steuer -aufkommen ging um etwa 20 Prozent zurück.In Eis­leben gebe es eine ähnliche Entwicklung. Hier werde ein neuer Bahnhof benötigt, weil der jetzige zu weit außerhalb liegt. Am selben Tag kündigt in Eisleben der Königl. & Herzogl. Hofliefe­rant Alexander Herrmann, Inha­ber der Musikalienhandlung Bieling & Richter, den Räumungsver­kauf in der Freistraße 14 an, weil das Geschäft zum Markt 42 um­ziehen soll.Es ist laut Chronik der heißeste Apriltag seit 1848 in Deutschland. In Berlin werden 27,5 Grad ge­messen, ein Grad mehr als am Vortag. Wie warm es in Eisleben war, geht aus der Chronik nicht hervor.
1914: Eislebens Stadtverordnetenversammlung beschließt die Beteiligung der Stadt an einem „Kraftwagenbetriebs -unternehmen" bis zu einer Höhe von 25.000 Mark. Damit steht der Gründung des Unternehmens als GmbH nichts mehr im Wege.Überdies wird ein Name für die Straße westlich des Lehrerseminars gewählt, die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße. Dem vom Magistratvorgeschlagenen Namen Roonstraße, „weil man bereits auf der anderen Seite der Bahnhofstraße eine Bismarck- und eine Moltkestraße habe", widersprach der Stadtverordnete Mehliss, der für Namen von Männern plädierte, die mit Eisleben in Verbindung stehen. Man habe bislang weder eine Rinckart- noch eine Agricolastraße, gab er zu bedenken.Doch letztlich entschied sich die Mehrheit für Blücherstraße. Der Name des Heerführers wurde gewählt, weil sich hier das Bezirkskommando befindet. Zur Wahl standen überdies noch Scharnhorst und Roon.
1930: Angesichts des Preisverfalls bei Kupfer schlägt die Verwaltung der Mansfeld AG Lohnsenkungen von 12 bis 18 Prozent vor, um Betriebsstillegungen weitgehend zu vermeiden. „Die Verhandlungen hierüber sind jedoch ergebnislos verlaufen", teilte das Unternehmen mit und fuhr fort: „Die Vertreter der Arbeitnehmer glaubten, obwohl sie die schwierige Lage der Mansfeld AG , anerkannten, in eine freiwillige Abänderung des Tarifvertrages, insbesondere vor Ablauf des Kündigungstermins, nicht einwilligen zu können.Die Verwaltung der Mansfeld AG hat daher den Gewerkschafts-und Belegschaftsvertretern erklärt, daß sie das jetzige Lohnabkommen zum nächsten zulässigen Termin, d.h. zum 31. Mai des Jahres, kündigen und die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens beantragen wird."

30. April
1889: Unwetter über dem Mansfelder Land. In der Chronik heißt es dazu: „Bei dem Gewitter, welches in der Walpurgisnacht die Umgebungvon Eisleben heimgesucht hat, ist von dem Blitz im BornstedterWalde eine ganz ungewöhnliche Verwüstung angerichtet worden. Eine Eiche von 1 Meter Durchmesser und etwa 25 Meter Höhe ist völlig entrindet und in tausend Stücke zerschmettert worden, deren einige im Gewicht von 3 Zentnern 20 Schritt weit, andere von geringerem Gewicht bis zu 60 Schritt weit fortgeschleudert sind. Wieder andere stehen senkrecht, wie Pallisaden in der Erde. Was aber das Merkwürdigste ist: in dem gespaltenen unteren Rumpfe des Stammes steckt die abgebrochene Krone aufrecht eingekeilt.Die Stätte dieser großartigen Zerstörung ist die sogenannte Buchen-Allee im Bornstedter Wald."
1938: Aus Oberröblingen am See (seit 1950 Rohlingen) wird gemel­det: „Die 19 Siedlerstellen in der Oberröblinger Siedlung sind jetzt fertiggestellt. Die Siedler feierten gemeinsam mit allen Handwerkern das Richtfest. Sie zogen mit Musik geschlossen aus der Sied­lung nach dem Gasthof „Kron­prinz“, um hier eine Feier zu ver­anstalten. Bei Kaffee und Kuchen und beim Bier verlebten die in der vergangenen Zeit durch die schwere Arbeit vereinten Siedler und Handwerker einige fröhliche Stunden."Überdies notiert der Chronist in Oberröblingen: „Das Verwal­tungsgebäude des Bahnhofs soll einen neuen Anstrich erhalten. Zur Zeit sind die Handwerker da­bei, den schadhaften Putz aus­zubessern und ein Baugerüst auf­zustellen."
1966: Bei Helbra wird der Wal­ter-Schneider-Schacht stillge­legt. Die Anlage, zu der insgesamt vier Schächte gehörten, hieß bis 1951 Ernstschacht, nach Ernst Leuschner (1826-1898), dem langjährigen Ober-Berg-und Hüt­tendirektor der Mansfeldischen Kupferschiefer bauenden Ge­werkschaft.„Mit dem Ernstschacht wurde im Jahre 1864 die Periode der Tiefbau- schächte eingeleitet", so Gün­ter Jankowski in seiner Schrift „Wichtige Kupferschiefer-Schächte in der Mansfelder Mul­de" (1987) und fügt hinzu: „Alle vier Schächte waren bis zur 3.Sohle geteuft und hatten eine Teu­fe von etwa 365 Metern." Die Schächte l und II wurden 1864 begonnen. 1881 bis 1882 folgte Schacht III und von 1884 bis 1885 schließlich noch Schacht V.